ÖSTERREICHS THERMOPYLEN
1809 - 1918
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Hubert FANKHAUSER
Die vergessene Front im Kanaltal von Napoleon bis zum Kriegsende 1918
ÖMG 2002 Folge 7 88 Seiten, zahlr. unveröffentlichte Aufnahmen, Karten,
broschürt, um 8 Bildseiten erweiterte und verbesserte, 2. Auflage 2004,
€ 21,80
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Das Buch beschäftigt sich mit einer Region, die trotz millionenfacher Durchquerung den Meisten relativ unbekannt geblieben ist.
Das Kanaltal, südlich von Kärnten war oft eine Stätte dramatischer Ereignisse. Diese und auch historische Hintergründe
begleitet von Aufnahmen die das Damals wie das Jetzt dokumentieren, beschreibt der vorliegende Band
und versucht dem Interessenten eine Gegend näher zu bringen,
die zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist!
Inhaltsverzeichnis:
ÖSTERREICHS THERMOPYLEN 1809
Kämpfe um Malborghet Mai 1809
Niedrlage von Tarvis
Ereignisse am Predilpass
ZWISCHEN NAPOLEON UND ERSTEM WELTKRIEG
ERSTER WELTKRIEG
Lage an Kärntens Grenze beim Kriegseintritt Italiens 1915
Krieg hält im Kanaltal Einzug
Frontverlauf
Ereignisse im Raum Ponatafel"Gruppe Ost" mit Subabschnitt Kronalpe
Erignisse im Raum Malborghet
Bedeutung der Kärntner Sperren 1915 - 1917
Ereignisse nach Kriegsende im Raum Tarvis
ORTSBEZEICHNUNGEN
QUELLEN - und LITERATURVERZEICHNIS
| Vorwort
Als begeisterter Bergsteiger begehe ich schon jahrelang das Gebiet der Julischen und Karnischen Alpen. Durch die zahlreichen, teilweise noch in gutem Zustand vorhandenen Reste von Befestigungen, Kavernen, Unterkünften, Kriegswege u.v.m., die ich immer wieder vorfinde, wurde mein historisches Interesse daran geweckt. Deshalb reifte auf den zahlreichen Touren in mir der Gedanke, diese Schauplätze des Gebirgskrieges 1915 – 1917, genauer zu erforschen und zu erkunden.
Durch die Kombination einer Begehung vor Ort und dem theoretischem Studium des jeweiligen Frontabschnittes erhöht sich die Faszination der Nachforschungen. Auch kann ich als Alpinist die Strapazen, Versorgungsschwierigkeiten etc., die unsere Vorfahren unter Kriegsbedingungen miterleben mußten, annähernd nachvollziehen. Die folgende Publikation soll, ohne kriegspolitische Analysen, nur die Tatsachen und Leistungen für sich sprechen lassen. Weiters sollen, chronologisch gereiht,
die in diesem Frontabschnitt eingesetzten Einheiten dargestellt werden. Durch die überraschenden Ereignisse im Jahre 1915 und der Einsatz des „letzten Aufgebotes“ wurden zahlreiche und zeitlich ineinandergreifende Aufteilungen der verschiedensten Truppen notwendig. Der geschätzte Leser möge sich daher durch die Vielfalt und die ständig wechselnden Einsatzräume der Einheiten nicht verwirren lassen.
Ich wählte absichtlich den Abschnitt von Tarvis bis Pontafel, da dieser, abseits der großen und bekannten Gebirgskriegsschauplätze, in einem historischen Dornröschenschlaf vor sich hin schlummert und doch so viel zu erzählen hat. Er wurde nicht von großen militärischen Aktionen, sondern hauptsächlich von zahlreichen einzelnen Kommando- und Stoßtruppunternehmungen, die sehr viel alpines Können, Mut und Einsatzbereitschaft verlangten, geprägt.
An dieser Stelle möchte ich meiner Frau Christine, die mich auf den alpinistisch, sicherlich nicht immer leichten, Erkundungen begleitet und großes Verständnis für meine zeitaufwendige Leidenschaft aufbringt, ein herzliches Dankeschön aussprechen. Meinem Freund Herrn Johann Mitsche jun. danke ich besonders für die computertechnische Unterstützung .Weiters gilt allen Institutionen und Personen, die mich bei den Quellenforschungen unterstützt haben, mein besonderer Dank.
Bezüglich des Kapitels „Österreichs Thermopylen 1809“ zitiere ich vorwiegend „Veltze“, um die dramatische und patriotische Berichterstattung nicht zu schmälern.
Herrn Dr. Jung aus dem Kriegsarchiv in Wien danke ich an dieser Stelle für die freundliche Unterstützung.
Hubert Fankhauser
| Ereignisse im Raum Malborghet
Schinouz – Mt.Pin – Bad Lussnitz
St.Katharina– Kleinalpelspitze – Gugg Alm – Gugg Stellung – Stabet – Lärch Riegel – Saifnitz
Zum Zeitpunkt der Kriegserklärung befanden sich das Baonskommando und der Train des k.k. Landsturminfanteriebataillons Nr.151 in Lussnitz, die 1.Kompanie/151, verstärkt durch einundfünfzig Mann Kärntner Freiwillige Schützen in der Verteidigungsstellung hinter Leopoldskirchen. Nach erfolgter Kriegserklärung rückten zur 1.Kompanie/151 der k.k. Gendarmerieposten Pontafel samt Assistenz mit dreiunddreißig Mann sowie die k.k. Finanzwache Pontafel mit neunzehn Mann ein. Zwecks Sicherung und Flankendeckung lag auf der Deutschen Alpe eine Patrouille bestehend aus Kärntner Freiwilligen Schützen, welcher eine ständige Signalpatrouille der 1.Kompanie/151 mit einer Signalbombe beigegeben war mit der Weisung, im Falle eines Flankenangriffes das Notsignal auf einem Aussichtspunkt nördlich Leopoldskirchen abzugeben.
Als nun im Morgengrauen des 26. Mai 1915 eine feindliche Patrouille die Reichsgrenze überschritt, da war auch für die Signalpatrouille der Augenblick gekommen das verabredete Notsignal abzugeben. Daraufhin wurde der Panzerzug Nr.2, der mit zwei MG und dreiunddreißig Mann dem Baonskommando mit der Bestimmung zugewiesen wurde die Sprengung der Vogelbachbrücke zu decken, sowie die Sprengabteilung unter Kommando des Oblt Feith zur Sprengung der Vogelbachbrücke beordert.
Tags vorher waren bereits die beiden Grenzbrücken in Pontafel , sowie der Durchlaß zum Weg auf den Kalvarienberg gesprengt worden. Der Train des LIB 151 unter Kommando des Oblt Dr.Rudolf Eichberger wurde von Lussnitz nach Uggowitz verlegt; die 1.Kompanie/151 trat nach Sprengung der Lussnitzer Eisenbahnbrücke den Rückzug in die vorbereitete Stellung Gugg – Baskon an.
Nun wurde eifrig der Ausbau der neuen Befestigungen und Kampfstellungen betrieben. Hand in Hand mit der regen Arbeit ging eine eifrige Patrouillentätigkeit. Täglich lag eine ständige Patrouille auf der Bergnase vor St.Kathrein, fast täglich wurde unter Führung eines Offiziers bis Lussnitz oder Leopoldskirchen, auf Monte Pin, Gisnitz oder Lussnitzer Alpe patrouilliert, wobei es häufig zu ernstlichen Zusammenstößen mit dem Feinde kam. Auch der Panzerzug Nr.1, der den Panzerzug Nr.2 abgelöst hatte, unternahm häufig nächtliche Patrouillenfahrten ins Vorterrain. In dieser Situation blieb der Baonsstab und die 1.Kompanie des Landsturminfanteriebaones 151 bis zu ihrem Abmarsch in Abschnitt Raibl am 18. Juni 1915 . Diese lose Sicherungslinie, die im Mai 1915 bezogen wurde, war schon in den ersten Tagen der Kriegserklärung dem italienischem Artilleriebeschusse ausgesetzt. Hptm. Inzinger berichtet:
......stündlich warten wir auf den Angriff. Aber nichts geschieht. Warum kommt der Feind nicht? Die Grenzen sind doch nur mit schwachen Detachements besetzt, die er wohl ohne weiteres überrennen kann! Mit ein paar Schüssen seiner modernen, schweren Mörser hätte er uns bald erledigt gehabt und der später erträumte Spaziergang nach Wien wäre ihm freigestanden .......“.
19.Mai 1915 bis 28.Oktober 1917: Bereits am 19. Mai 1915, nach Eintreffen des Alarmbefehles, verlegt das IV.Bataillon des I.Regimentes der Kärntner Freiwilligen Schützen per Bahn nach Malborghet wo sie am nächsten Morgen der Sperrkommandant (nicht Fortkommandant !) des Fort Hensel, Hauptmann Schöbel, mit den Worten „Gott sei Dank, daß ihr da seid“ begrüßt und die Einteilungen in die Stellungen trifft.
Zweiundvierzig Mann der 11. und 12.Kompanie (II.Regiment, III.Baon) der Kärntner Freiwilligen Schützen unter Führung des Zugskommandanten Max Wank marschieren auf die entlegensten Posten der Gugg- und Zirkel Alpe. Die Leute trugen neben ihrer Ausrüstung mit Gewehr und eigener Verpflegung für 2 Tage, noch die Verpflegung für zweiundneunzig Mann, sowie zweihundert Patronen.
31. Mai 1915: Beginn mit dem Bau einer zweiten Linie, die über Gartnerkofel – Garnitzenberg und Kronalpe verlief. Dorthin wurden auch Wege hergestellt.
Anfang Juni 1915 werden unter Führung des Artilleriegruppenkommandanten Mjr. Kuchinka Stellungen für Artillerie am Stabet rekognosziert.
Dazu berichtet Hptm. Karl Inzinger :
..ich erhalte den Befehl, mit Feuerwerker Kaufmann und einem kleinen Detachement von Unteroffizieren und Kanonieren zur Errichtung des Beobachtungsstandes und zum Ausbau eines Pferdestalles in der Protzenstellung abzugehen. Wir brechen um 4 Uhr früh in Saifnitz auf und erreichen nach einem anstrengendem Marsch von 10 Stunden Ravna. Die vom Feinde uneingesehene Straße auf den Stabet ist noch im Bau. Eine große Anzahl von Arbeitsmannschaft schlägt Holzbrücken über abgrundtiefe Gräben und Schluchten, Felsen müssen gesprengt werden. An manchen Stellen müssen wir selbst Bäume fällen um den Übergang zu erzwingen und die Pferde hinüberschaffen zu können.
Der Stabet ist ein Bergsockel, der sich nördlich des Fellatales über der Talsperre Malborghet pyramidenförmig, steil und schroff erhebt. Über dem Grat zieht sich unsere, teilweise in Felsen eingehauene und mit Fichtenreisig maskiert,eine zweite Infanteriestellung von der Feldwache IV bis hinauf zur Gipfelkote. In diese Stellung wird nun unser Beobachtungsstand eingebaut. Unterdessen kommen die 10,5 cm M.99 Haubitzen und werden in Stellung gebracht. Unser Feuerbereich sind die Höhen vom Mittagskofel, über die Kote 1868, der Monte Piper 2066 m, die Piperscharte, der linke und der rechte Zweispitz 2047 m, die vom Feinde besetzt sind.
Es ist unsere Aufgabe, den Artilleriebeobachter am Mittagskofel durch oftmalige Beschießung soviel als möglich niederzuhalten und zu stören. Lange Zeit scheinen die Italiener unsere Stellung nicht zu kennen; denn man läßt uns in Ruhe und wir werden nicht beschossen. Außer mit dem Artillerie-Gruppenkommando in der Barbarahütte sind wir mit den Beobachtungsständen B (Buchkopf), der Station X (Kleinalplspitz) und dem Schiebriegel telephonisch verbunden.
Am 30.Juli 1915 hören wir aus Richtung Piperscharte starkes Infanteriegefecht. Auch die Artillerietätigkeit der Italiener erhöht sich zusehends. Nebel und Regen versperren uns vorerst die Sicht und erst nach Wetterbesserung sehen wir auf der Piperscharte unsere Mannschaft in heftigem Handgemenge mit dem Feind. Aber die Übermacht der Italiener ist zu groß und die tapfere Schartenbesatzung muß weichen. Nun schießen wir gemeinsam mit der Gebirgsbatterie 1/3 Guggalm auf die feindlichen Truppen, die sich auf der Kammlinie gegen den linken Zweispitz zu entwickeln beginnen.
Am 7. August 1915 meldet die Station Kleinalplspitz, daß die Italiener zwei Geschütze auf den linken Zweispitz schaffen. Sieben bestätigte Volltreffer unserer Batterie verhindern sein Vorhaben. .
| Bilder:
|  | Kappenabzeichen Abschnitt Seisera
|  | "Erinnerung an die Kämpfe 1809". Das Denkmal zur Jahrhundertfeier der Kärntner Landersverteidigung
|  | Reichsgrenze Pontafel - Pontebba
|  | Am Schwarzenberg
Include

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