ABGELAUSCHT

Die Funkaufklärung der k.u.k. Kriegsmarine 1917-1918



Lothar Baumgartner
Nikolaus Sifferlinger

Auf Grund der Fülle der Unterlagen und der Tatsache daß es sich durchgehend um "publizierungswürdiges" Material handelt, gibt es nun zwei Bände!
Der erste Band beinhaltet das Jahr 1917 und den technischen Teil, weiters ist eine genaue Karte der Küstenregion mit Ortsindex beigelegt ( ca. 60 x 70 cm)
der Zweite Band stellt dann das Jahr 1918 dar!
jeweils 160 Seiten,über 100 Abb., 30 Faksimile, Karten, techn. Zeichnungen, Dokumente, Tab., Anhänge, Quellen-u. Lit.verz. geb., je € 30,-



Band 1:


Zum ersten Mal wird hier, durch die damalige, strenge Geheimhaltung bedingt, ein bisher nicht publiziertes Thema behandelt! Die Auswertung der Unterlagen des Chefs von Großradio Pola, Linienschiffsleutnant Peter Handel-Mazzetti, ermöglichen diese Arbeit. Neben der Dokumentation dramatischer Ereignisse durch Handel - Mazettis Tagebucheintragungen die , wenn nötig kommentiert sind , wird auch die technische Seite der Funkanlagen beschrieben. Bislang unveröffentichte Fotos machen den Band zu einem weiteren wertvollen Beitrag zur Geschichte der k.u.k. Kriegsmarine



Hier ein paar Auszüge aus dem Buch und Bilder. Auch ein Auszug aus der beigelegten Karte ist einzusehen!


Inhaltsverzeichnis:


VORWORT
EINLEITUNG
Lothar Baumgartner,
DAS GEHEIME TAGEBUCH DES LINIENSCHIFFSLEUTNANTS HANDEL-MAZZETTI 1917
Dienstbeginn bei der Funkaufklärung
Die „Otrantoaktion“ vom 15. Mai 1917 im Spiegel der Funksprüche, die in der Sammelstelle Sebenico eingingen
Die Versenkung des Küstenverteidigers WIEN (10.Dez.1917)
Nikolaus A. Sifferlinger
DIE TECHNIK DER FUNKAUFKLÄRUNG
Die Landradiostationen in Pola und der Funkverkehr mit dem neutralen Ausland
Der Radiodienst und die Radioausrüstung der k.u.k. Kriegsmarine 1917/1918
Die „elektronische“ Kampfführung
Die Funkaufklärung der k.u.k. Kriegsmarine und des k.u.k. Heeres
ANHANG

Vorwort und Einleitung:


Der Linienschiffsleutnant Peter Handel-Mazzetti verfaßte während seiner Dienstzeit den ganzen Ersten Weltkrieg hindurch ein Kriegstagebuch. Es war dies nichts Ungewöhnliches. Es sind mindestens 25 solcher Kriegstagebücher erhalten geblieben. Selbstverständlich waren diese Aufzeichnungen niemals für eine Publikation gedacht und enthalten oft sehr persönliche, intime und kritische Anmerkungen. Gerade das macht sie für die Nachwelt und für die Historiker interessant. Der Herausgeber dieses Kriegstagebuches bedankt sich daher bei Herrn Hofrat Dipl. Ing. Paul Handel-Mazzetti für die Erlaubnis das im Original im Österreichischen Staatsarchiv/Kriegsarchiv aufbewahrte Tagebuch seines Vaters zu kopieren und in dieser Form zu veröffentlichen. Peter Handel-Mazzetti (1892-1980) trat 1907 in die k.u.k. Marineakademie in Fiume (Rijeka) ein und wurde im Juni 1911 als Seekadett ausgemustert. Er durchlief die übliche Offizierslaufbahn und wurde am 1. Juni 1913 zum Seefähnrich, am 1.5.1914 zum Fregattenleutnant (entsprach dem Oberleutnant des Heeres, da der Leutnantsrang bei der Kriegsmarine nur als Reserverang vergeben wurde) und schließlich am 1.5.1918 zum Linienschiffsleutnant (entspricht dem Hauptmannsrang) ernannt. Nach dem Krieg studierte er Forstwirtschaft, promovierte 1923 zum Dipl. Ing. und war anschließend auf verschiedenen großen Gütern als Forstmann tätig. Nach 1945 trat er in den Dienst der Österreichischen Bundesforste und verblieb in dieser Position im Salzkammergut bis zu seiner Pensionierung. Peter Handel-Mazzetti war literarisch unerhört fleißig und erfolgreich tätig. Bereits 1925 erschien aus seiner Feder ein Bildband über die k.u.k. Kriegsmarine, nach 1938 erhielt er den offiziellen Auftrag die fehlenden Teile des Gesamtgeschichtswerkes der k.k. bzw. k.u.k. Kriegsmarine zu bearbeiten. Die diesbezüglichen hochinteressanten Manuskripte liegen im Österreichischen Staatsarchiv/Kriegsarchiv. Nicht weniger als 60 Jahre war er für die renommierte deutsche Zeitschrift Marine-Rundschau tätig und nach seinem Tod gehörte er zu den wenigen Autoren, denen diese Zeitschrift einen eigenen Nachruf widmete. Fast ebenso lange war er für den bekannten „Köhlers Marinekalender“ tätig. Bis zu seinem Tod geistig rege, hatte er noch zahlreiche literarische Projekte geplant und es gereicht mir zur persönlichen Ehre sein Kriegstagebuch in zwei Bänden hier der Öffentlichkeit vorstellen zu dürfen. Teil 1 umfaßt das Kriegsjahr 1917 und beschreibt auch die technische Seite der Funktelegraphie (verfaßt von Nikolaus Sifferlinger), Teil 2 behandelt das Kriegsjahr 1918 mit dem tragischen Ende der k.u.k. Kriegsmarine. Seine Aufzeichnungen sind als Ergänzung zu den bereits erschienenen Büchern: „Auslaufen verspricht Erfolg“ von Nikolaus Sifferlinger (Verlag Österreich 2000) und „Agenten unterm Doppeladler“ von Albert Pethö (Stocker Verlag 1998) zu verstehen.

Lothar Baumgartner
EINLEITUNG
Die k.u.k. Kriegsmarine gehörte zu den ersten Marinen der Welt, die die Bedeutung aber auch die Gefahren der drahtlosen Telegraphie (Funkverkehr) erkannte. Es lag wohl an der Tatsache, daß der Balkan im ersten Jahrzehnt des 20. Jhdts. eine ständige Krisenzone war und auch an der Tatsache, daß man dem Dreibundpartner Italien nicht ganz traute. Vielleicht war es auch an der Person und am Charakter des Flottenkommandanten Admiral Anton Haus (1913-1917) gelegen, der allgemein als hochintelligenter aber schwieriger und mißtrauischer Charakter beschrieben wird, daß man schon lange vor Kriegsausbruch daran ging, den Funkverkehr ausländischer Marinen emsig abzuhören und zu versuchen verschlüsselte Funksprüche zu entziffern. Des weiteren wurde bereits vor dem Krieg eine Basisstruktur geschaffen, die sich im Krieg als höchst effizient erweisen sollte. Diese Strukturen bestanden aus:
a) dem Bau vom sogenannten Küstenradiostationen im Hauptkriegshafen Pola/Pula und in Sebenico/Šibenik (später auch in Castelnuovo / Hercegnovi)
b) im Einrichten zahlreicher Beobachtungsstationen in der dalmatinischen Inselwelt und an günstigen Punkten in den Küstengebirgen.
c) der entscheidende Schritt aber war die Einrichtung sogenannter Sammelstellen in Pola, Sebenico und zuletzt auch in Castelnuovo/Hercegnovi in den Buchten von Cattaro/Kotor.
d) der Einbringung des bestehenden Telegraphenbureaus der k.u.k. Kriegsmarine
Diese Sammelstellen für Nachrichten aller Art hatten die Aufgabe alle einlaufenden Nachrichten und Meldungen egal aus welchen Quellen sie stammten zusammenzufassen, zu ordnen und den höheren Kommandostellen somit ein brauchbares Bild der Lage zu ermöglichen. Hunderte Inseln in Dalmatien brachten einem potentiellen Gegner zwar zahlreiche strategische Schwierigkeiten, sie waren aber auch außerordentlich unübersichtlich. Es war daher eine geniale Idee solche Sammelstellen zu schaffen, bei denen zum Beispiel die Meldung eines Gendarmen einer vorgelagerten Insel über einen „im Süden gehörten Geschützdonner“ oder die Meldung einer Küstenbeobachtungsstation auf einem Berg, die beide telegraphisch eingelangt waren, verglichen und bewertet werden konnten. Auch Agentenmeldungen und abgelauschte gegnerische Funksprüche wurden auf diesem Wege bewertet, gewichtet und weitergemeldet. Während das rein technische Abhören und Entgegennehmen meistens von Unteroffizieren und geschultem Telegraphenpersonal durchgeführt wurde, mußte die eigentliche intellektuelle Erfassung und Gewichtung durch Offiziere erfolgen, die über entsprechende sprachliche und geistige Fähigkeiten verfügen mußten . Peter Handel-Mazzetti gehörte zu jener Elite an Marineoffizieren, die für diese Aufgabe geeignet schienen. Er wurde ab Ende April 1917 zur Sammelstelle Sebenico versetzt und wirkte dort so erfolgreich, daß er mit 25.10.1917 zur wichtigsten Sammelstelle in Pola und zum Dienst bei der neu erbauten Großstation „Großradiopola“ herangezogen wurde. Aus seinen Aufzeichnungen geht auch indirekt hervor, daß die dort diensttuenden wenigen Seeoffiziere in keiner Weise nachrichtendienstlich überprüft wurden, so wie das heute der Fall wäre. Die Originale seiner Kriegstagebücher enthalten zahlreiche eingeklebte Kopien von Originaltelegrammen, die oft sehr brisanten Inhaltes sind. Er muß sie einfach bei Dienstschluß mitgenommen haben.
Bei der zentralen Sammelstelle Pola gingen auch alle Konfidentenmeldungen (Konfident = damalige Bezeichnung für Agent) aus dem Ausland ein und die sogenannten berühmten Penkala-Nachrichten. Bei den Penkala-Nachrichten handelte es sich entweder um das Abhören feindlicher Telefonate oder feindlicher Funksprüche. Penkala war eine Bleistiftfabrik, die als Reklame ein großes Ohr mit darübergestecktem Bleistift verwendete. Dieser witzige Vergleich wurde zur Codebezeichnung für abgehörte feindliche Mitteilungen, für die damals der schöne Begriff „abgelauscht“ verwendet wurde, den der Herausgeber zum Titel dieses Buches erwählt hat. Die Dechiffrierspezialisten der k.u.k. Kriegsmarine waren nicht so naiv zu glauben, daß das „Ablauschen“ eine Einbahn wäre. Was man selbst fertig bringt muß man auch dem Gegner zutrauen. Diese weise Erkenntnis hatte zwei positive Konsequenzen: Die k.u.k. Kriegsmarine ging mit strikten Regeln für den Funkverkehr in den Krieg. Nur die Royal Navy hatte ähnlich genaue Regeln erlassen, die übrigen Marinen nicht. Zweitens wurde jedes Mal wenn der leiseste Verdacht einer Kompromittierung bestand, der Code sofort geändert. Solche Verdachtsfälle waren: Der Verlust von k.u.k. U 12 vor Venedig, der Untergang des Zerstörers LIKA auf seichten Wasser vor Durazzo, der Untergang des deutschen Minen-Ubootes vor Tarent 1916 und letztlich die Desertion des Torpedobootes Nr. 11 nach Italien. Die Änderungen des Codes waren zum Teil grundlegend, ein Entziffern daher für die Alliierten zeitweise unmöglich. Die kaiserlich deutsche Marine, deren Code bei der Strandung des Kreuzers MAGDEBURG kompromittiert worden war, führte keine solchen grundlegenden Änderungen durch und die Spezialisten der Entente konnten den deutschen Funkverkehr den ganzen Krieg über mitlesen. Der deutsche Funkverkehr enthielt auch viel mehr Stereotypien, während man in Österreich-Ungarn hier wesentlich vorsichtiger war. Vor der Versetzung in die Sammelstelle Sebenico/Šibenik war Peter Handel-Mazzetti auf dem Torpedoboot 68 (Kaiman-Typ) eingeschifft gewesen und hatte das relativ freie Leben eines „Torpedisten“ geführt, so daß er seine Versetzung zur Büroarbeit, wie er es nannte, zunächst als negativ empfand. Persönliche Anmerkungen und für den Leser unwichtige Passagen wurden, um den Lesefluß nicht zu beeinträchtigen, ausgelassen. Für den Herausgeber erschien es jedoch andererseits wichtig; den historischen Ablauf fachlich zu kommentieren. Diese Textstellen sind zur Übersicht grau unterlegt, sie geben die persönliche Meinung des Herausgebers wieder. Hingegen sind kursiv gesetzte Textstellen von Handel-Mazzetti selbst verfaßte, meist kritische, Kommentare. Schiffsnamen sind stets groß geschrieben. Bei den zahlreichen geographischen Bezeichnungen und Ortsnamen wurde bei erster Erwähnung in Klammer in der heutigen Benennung dazugesetzt. Ferner folgt am Ende eine Tabelle mit einer Gegenüberstellung der alten (meist venezianischen) und der heutigen Bezeichnungen. Bezüglich der verwendeten Uhrzeit macht Handel-Mazzetti keine Aussagen. Laut historischen Quellen verwendete Österreich-Ungarn die zentraleuropäische Zeit, diese bedeutet Greenwichzeit + 1 Stunde. Der Herausgeber hofft, daß dies so zutrifft. Denkbar ist allerdings auch, daß für Aktionen in der Südadria die südeuropäische Zeit verwendet wurde, das wäre Greenwichzeit + 2 Stunden. Doch lassen wir die dramatischen und nahezu unglaublichen Aufzeichnungen, die uns einen Blick hinter die Kulissen gewähren, für sich selbst sprechen.

Auszug aus dem Tagebuch:


Am 18. Juni war ich mit Linienschiffsleutnant Randich (von Radio Castelnuovo/Hercegnovi) im neuen Großradiopola. Eine hochmoderne Anlage, sehr schön eingerichtet. In Pola hat sich nichts verändert. Die große, oder - wie ich sie auch nenne – die schlafende Flotte, das schmutzige Seearsenal, der am meisten venezianische Teil unserer Kriegsmarine und die stolze Torpedo-Flottille. Wenn ich auf Cosada/Kotež (Schulflugstation) oder in meinem Zimmer am Monte Paradiso weilte, dann wurde mir immer wehmütig ums Herz, denn ich dachte viel und oft an meinen lieben Freund Krivanec. Besonders mein Zimmer hat mich recht angeheimelt, wie oft saßen wir hier zusammen und sprachen über unsere Zukunft. Damals hatte ich noch eine Stütze, jetzt aber bin ich auf mich ganz allein angewiesen. Was wird der morgige Tag bringen, was wird nach dem Frieden sein? Was wird aus unserer Monarchie und was wird aus mir werden? Diese Fragen stürzen unwillkürlich auf mich ein. Aber nur nicht verzweifeln, so dornig der Weg auch werden mag zu einem rosigen glücklichen Lebensende. Im Marinecasino ist eine große Veränderung eingetreten, den Offiziersfrauen ist der Zutritt nach Pola und ins Casino wieder gestattet und demzufolge ist das Bild, welches sich einem bietet, ein recht abwechslungsreiches wohltuendes. Am gleichen Tag erfahre ich, daß SMS ZARA bei der Herauffahrt bei Ragusa (Dubrovnik) anlanciert wurde, aber nicht sank. Nach späteren Aussagen soll es eine treibende Mine gewesen sein.
(In Wahrheit explodierte im Bugtorpedorohr der ZARA entweder ein Preßlufttank oder der Gefechtskopf eines alten Torpedos und riß die Bordwände beiderseits auf. )
Unsere Feinde haben von einer Torpedierung des WILDFANG nichts gemeldet. Man nimmt daher hier an, daß sein Untergang auf Selbstentzündung der Munition oder sonst einen Unfall zurückzuführen ist. Jedenfalls war unsere Meldung verfrüht.
(In allen Kriegsmarinen der Welt ist ein Schiff immer mit weiblichen Artikel versehen. Einzige Ausnahme bildete die k.u.k. Kriegsmarine, in der männlichen Namen auch der männliche Artikel zugeordnet wurde. Handel-Mazzetti schreibt daher korrekt der WILDFANG, der RADETZKY oder der SZENT ISTVÁN.)
In Fiume ist k.u.k. U 22 (Kommandant Lschlt. Holub) über Nacht in der Vertäung gesunken! Es wurde von der ungarischen U-Bootsbauaktiengesellschaft (UBAG) gebaut, die sich bereits in Wohlgefallen aufgelöst hat. Tagsüber arbeiten die Arbeiter der Gesellschaft an Bord des U-Bootes, welches getrimmt war und ließen die Einstiegsluke beim Verlassen des Bootes offen! Am nächsten Tage fand man es Kiel oben auf dem Grunde liegen. Nachdem es gehoben war, stellt es sich heraus, daß von einem Tauchtank das Entlüftung- und das Entwässerungsventil offen waren. Man nimmt an daß Sabotage im Spiel war. Während des Aufenthaltes der Rapidkreuzer in Pola wollte man ihnen zwei 15cm Geschütze, statt drei 10cm geben. Doch ist man sich noch immer nicht im Klaren, ob ihre Rümpfe die erhöhten Ansprüche aushalten werden. Soviel ich gesehen habe, sind die Geschütze schon im Arsenal. Die Geschütze wurden letztlich nicht installiert. Es blieb bei den 10cm Geschützen. Denselben Fehler hatte allerdings auch die kaiserlich-deutsche Marine gemacht. Grund war die höhere Feuerschnelligkeit der 10cm. Im Krieg, in den Gefechten, stellte sich allerdings heraus, daß das höhere Geschoßgewicht wichtiger war, als die Feuerschnelligkeit. Die Flotte hat Schießübungen gemacht, ganz gut, aber noch lange nicht erstklassig. Einmal und nie mehr wieder wurden Divisionsfahren und Lancierungen geübt. Am 19. Juni fuhr ich um 14 Uhr mit den Lschlt. Vio und Randich nach Triest. Triest ist wie ausgestorben. Dreiviertel der Kaufläden sind leer, die Straßen sind entvölkert, im Hafen kaum ein Fahrzeug, in der Ferne sieht man Duino und Miramar und in der Nacht das Blitzen der Kanonenschüsse. Leuchtende Projektoren strahlen an der Front, gleich am ersten Tag kam ein italienischer Flieger herüber, er photographierte nur und wurde schwach beschossen. Man ißt hier gut, aber teuer, Triest muß fürchterlich unter dem Krieg gelitten haben. Am nächsten Tag fuhren wir nach Salvore auf der Nordwestspitze Istriens, wo die neue zweite Radiopeilstation errichtet wird. Die erste steht bekanntlich bei Kap Promontore (Rt Premantura bzw. häufiger Rt Kamenjak genannt). Ich will nicht in technische Details eingehen, ich erwähne hier nur, daß die Peilstation von Promontore zweiunddreißig Antennen hat, während die von Vallefontane bei Pola nur vier hat (in den Haupthimmelsrichtungen). In Salvore sind wir drei bei Offizieren des dortigen Küstenabschnittes bequartiert, recht nette Menschen, die schon eine Menge mitgemacht haben und entsprechend dekoriert sind. Ich komme mir recht klein und armselig vor. Nach dreitägiger Arbeit, alles recht einfach, zumindest für einen Kopf wie Lschlt Vio, fahre ich mit Randich nach Triest und bin am 24. wieder in Pola. Tags darauf schiffe ich mich auf dem armierten Dampfer TATRA ein, welcher um 20 Uhr 30 ausläuft und den Dampfer RAKOCZY nach Fiume konvoiiert. Fiume und Triest, welch ein Unterschied! Der Hafen ist voll von Dampfern, jede Anlegestelle ist besetzt, kein Platz ist frei. Nachdem auch Pola über See verpflegt wird und ganz Dalmatien und die Albanien-Front an Fiume hängt, ist hier ein größerer Betrieb als wie im Frieden. Hier sieht man, was die zentrale Lage für einen Handelshafen bedeutet. Was für eine ungeheure Einnahmequelle mag dies wohl für die Ungarn sein. Fiume und seine Umgebung gehörten zum Reich der Heiligen Stephanskrone, sie waren sogenanntes ungarisches Littorale, welches von Kaiserin Maria Theresia an Ungarn zurückgegeben worden war.

Bilder


Linienschiffsleutnant Peter Handel - Mazetti

Spezialitätenabzeichen der k.u.k. Kriegsmarine für Unteroffizier des Telegraphendienstes

Dechriffiergerät, mit dem der Code der italienischen Frontverbände geknackt wurde

Funkabinen

Auszug aus der Küstenkarte

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